Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have

Ein kurzer Zwischenstopp bevor es in den nächsten Artikeln um die einzelnen 15/15-Apps geht. Denn eine Sache ist mir wichtig genug für einen eigenen Artikel.

Woher der Name kommt

15/15 steht für eine Zahl der WHO: etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung lebt mit einer Behinderung. Bei rund 8,1 Milliarden Menschen sind das über 1,2 Milliarden — nicht Tausend, nicht Hunderttausend. Über eine Milliarde Menschen.

Und die Zahl ist nicht statisch. Die Augen lassen mit dem Alter nach, das Gehör wird schlechter, die Neuronen feuern nicht mehr so schnell wie noch vor 20 Jahren. Dazu kommt die schlichte Wahrscheinlichkeit eines Unfalls, einer Krankheit, eines Schlaganfalls. Wer heute uneingeschränkt durchs Leben geht, hat keine Garantie dass das so bleibt. Die Kategorie „betroffen“ ist keine feste Gruppe anderer Leute — es lohnt sich für jeden, kurz darüber nachzudenken.

Wie oft Barrierefreiheit trotzdem als Checkliste behandelt wird

Barrierefreiheit wird oft behandelt wie ein Häkchen auf einer Checkliste. Kontrast erhöht, Alt-Text ergänzt, fertig. Damit ist formal etwas erledigt — aber nicht das eigentliche Problem gelöst.

Das eigentliche Problem: Die meiste Software wird für den Durchschnittsnutzer gebaut, und alles was davon abweicht wird hinterher angeflanscht. Ergebnis sind Apps die technisch barrierefrei sind, sich aber trotzdem falsch anfühlen — weil sie nie für die Situation gedacht waren, sondern nur nachträglich dafür repariert.

Wie wir es bei 15/15 anders machen

Jede der Apps ist von Anfang an für eine bestimmte Situation gedacht — nicht generisch gebaut und dann barrierefrei gemacht. Wir simulieren beim Entwickeln die betroffenen Nutzer direkt als Testpersonas, bevor überhaupt eine Zeile UI-Code geschrieben wird. Jede Aktion in jeder App läuft über ein sichtbares, beschriftetes Bedienelement — kein verstecktes Gesten-Wissen das man erst lernen muss.

Das heißt nicht, dass alles perfekt ist. Ganz im Gegenteil — der letzte Artikel hat gezeigt wie unterschiedlich weit die einzelnen Apps sind. Aber die Denkrichtung stimmt von der ersten Minute an.

Warum das für alle zählt, nicht nur für Betroffene

Barrierefreie Software ist fast immer auch die bessere Software. Große Schrift, klare Struktur, wenig Ablenkung, eindeutige Bedienelemente — das hilft nicht nur Menschen mit Einschränkung. Es hilft jedem der müde ist, gestresst ist, in schlechtem Licht sitzt, oder einfach schnell etwas erledigen will ohne erst ein UI zu entziffern.

Barrierefreiheit ist also kein Kompromiss zugunsten einer kleinen Zielgruppe. Es ist gutes Design mit einer klaren Priorität: die schwierigste Situation zuerst lösen, dann passt der Rest von selbst.

Wo wir stehen

Alle 15/15-Apps sind nach diesem Prinzip gebaut. Klar noch nicht perfekt, ganz am Anfang — aber ein erster echter Schritt, kein nachträglicher Reparaturversuch.

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